Kavango ist ein kartengetriebenes Aufbau- und Draftspiel für ein bis vier Personen, das sich thematisch dem Natur- und Artenschutz im Kavango-Zambesi-Schutzgebiet widmet. Die Spieler übernehmen die Rolle von Naturschutzexperten und errichten über drei Runden hinweg eigene Reservate, in denen Produzenten angesiedelt, Tiere aufgenommen und Schutzmaßnahmen finanziert werden.

Im Mittelpunkt steht der Aufbau funktionierender Ökosysteme. Kavango verbindet dabei ökologische Zusammenhänge mit klassischem Kartendrafting und Engine-Aufbau.

Material

Der Materialumfang von Kavango ist umfangreich, aber klar gegliedert. Enthalten sind vier individuelle Reservate mit passenden Tableaus, auf denen Startproduzenten und Schutzstufen abgebildet sind. Ergänzt werden sie durch einen zentralen Spielplan mit Punkteleiste, Forschungsaufgaben und dem gemeinsamen Klimaschutzbereich. Mit vier Spielern ist damit auch der Tisch gut gefüllt.

Den größten Teil des Materials machen die Karten aus. Es gibt Wildniskarten in drei Decks. Deck A enthält Produzenten wie Gräser, Bäume, Wirbellose und Fische. Deck B und C bestehen aus Tierkarten mit unterschiedlichen Punktwerten und Anforderungen. Hinzu kommen Aktionskarten, Renaturierungskarten, Zielkarten sowie Spezialistenkarten mit individuellen Fähigkeiten.

Dazu kommen zahlreiche Marker. Jeder Spieler erhält eine Tierfigur zur Punkteanzeige, Geldmarker, Check-Marker für gewertete Forschungsaufgaben sowie Zählchips für hohe Punktstände.

Das Material ist übersichtlich gestaltet und schön illustriert. Karten und Symbole sind gut lesbar, und trotz der thematischen Tiefe bleibt die Handhabung am Tisch angenehm strukturiert.

Spielablauf

Kavango wird über drei Runden gespielt. Jede Runde besteht aus genau zehn Zügen, die von allen Spielern gleichzeitig ausgeführt werden. Zu Beginn jeder Runde werden vier neue Forschungsaufgaben offen ausgelegt, die jeweils anspruchsvoller werden und unterschiedliche Kriterien für Punkte und Einkommen vorgeben. Anschließend erhalten alle Spieler einen Handkartensatz, dessen Zusammensetzung sich von Runde zu Runde verändert.

In jedem Zug wählen alle Spieler gleichzeitig eine Karte aus ihrem aktuellen Handkarten und legen sie verdeckt vor sich ab. Danach werden alle Karten gleichzeitig aufgedeckt und ausgeführt. Aktionskarten lösen sofortige Effekte aus und werden anschließend abgelegt. Wildniskarten werden entweder direkt ins eigene Reservat gespielt oder zunächst in der Auffangstation abgelegt, falls ihre Voraussetzungen noch nicht erfüllt sind. Alternativ kann eine gewählte Karte auch abgeworfen werden, um sofort Geld zu erhalten.

Produzenten aus Deck A bilden die Grundlage des eigenen Ökosystems und können immer ausgespielt werden. Tierkarten aus Deck B und C haben konkrete Anforderungen an Nahrung und Schutzstufen. Sind diese noch nicht erfüllt, wandern die Tiere zunächst in die Auffangstation, die maximal drei Plätze bietet. Sobald alle Voraussetzungen erfüllt sind, dürfen Tiere ohne zusätzlichen Zug aus der Auffangstation ins Reservat umziehen, was Kettenreaktionen auslösen kann.

Nach dem Ausspielen der Karten folgt eine gemeinsame Phase, in der Forschungsaufgaben gewertet und Geld investiert werden darf. Forschungsaufgaben beziehen sich immer auf die aktuell im Reservat liegenden Karten und können von jedem Spieler einmalig erfüllt werden. Sie bringen Geld und Siegpunkte. Das erhaltene Geld kann direkt investiert werden, um Schutzstufen zu erhöhen oder Renaturierungskarten zu erwerben. Während Habitat- und Wildtierschutz individuell verwaltet werden, ist der Klimaschutz ein gemeinschaftlicher Bereich, in den alle Spieler einzahlen können.

Am Ende eines Zuges werden die verbleibenden Handkarten mitsamt der Reihenfolgekarte an die nächste Person weitergegeben. So wandern die Kartensätze über den Tisch, bis alle zehn Züge der Runde gespielt wurden. Nicht genutzte Karten werden anschließend abgelegt, neue Forschungsaufgaben vorbereitet und die nächste Runde beginnt.

Nach der dritten Runde endet das Spiel. Zusätzlich zu den während des Spiels erzielten Punkten werden nun die Punkte für angesiedelte Tiere sowie für erreichte Umweltpreise vergeben. Dazu zählen der Biodiversitäts-, Klima- und Naturschutzpreis. Wer am Ende die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt. Bei Gleichstand teilen sich die Spieler den Sieg.

Fazit

Kavango hinterlässt insgesamt ein sehr positives Spielgefühl. Das Spiel verbindet bekannte Mechanismen mit einem starken Thema und schafft es, ökologische Zusammenhänge nachvollziehbar und spielerisch greifbar abzubilden.

Die Originalversion von Mazaza Games unterstützt bis zu fünf Personen. Für die deutsche Ausgabe hat sich Schmidt entschieden, die Spielerzahl auf maximal vier zu begrenzen. Das deckt sich gut mit unserem Eindruck am Tisch. Am stimmigsten spielt sich Kavango mit drei bis vier Personen. Mit mehr Spielern würde sich das Spielgefühl kaum verändern, da alle Züge simultan erfolgen und die Interaktion überschaubar bleibt.

Kavango lässt sich gut mit 7 Wonders und Eine Wundervolle Welt vergleichen. Der Draftmechanismus und die simultanen Züge erinnern klar an diese Titel. Thematisch ist Kavango dabei deutlich stärker verankert als Eine Wundervolle Welt und durch das Tier- und Naturschutzthema auch zugänglicher als 7 Wonders. Gleichzeitig gibt es Parallelen zu Arche Nova, vor allem durch das Tierthema und die Vielzahl an möglichen Zielen, die während einer Partie verfolgt werden können.

Die große Kartenhand eröffnet viele Optionen. Gleichzeitig sorgen die zu Beginn erhaltenen Reservekarten sowie die optionalen Zielkarten für eine gute langfristige Orientierung. Kurz- und mittelfristig geben die Forschungsaufgaben die Richtung vor und strukturieren die Partie sinnvoll.

Diese Forschungsaufgaben sind ein zentraler Bestandteil des Spiels, da sie die wichtigste Einnahmequelle für Geld darstellen. Positiv ist, dass jeder Spieler selbst entscheiden kann, wann er eine Aufgabe wertet, ohne dabei andere zu blockieren. Im Gegensatz zu Arche Nova werden Mitspieler hier nicht auf bestimmten Stufen ausgesperrt. Gleichzeitig stellen die Forschungsaufgaben auch einen Kritikpunkt dar, da sie zu Beginn der zweiten und dritten Runde zufällig gezogen werden. Je nach Auslage kann man diese sehr gut erfüllen oder auch kaum, was den Einfluss des Glücks spürbar erhöht.

Besonders befriedigend sind Spielzüge, bei denen mehrere Effekte ineinandergreifen. Wenn durch eine ausgespielte Karte direkt Tiere aus der Reserve ins Reservat wechseln und gleichzeitig Forschungsaufgaben erfüllt werden, entsteht ein sehr rundes und motivierendes Spielgefühl.

Die Spielzeit liegt auch in Erstpartien und bei voller Besetzung bei etwa 60 Minuten. Das macht Kavango gut zugänglich und angenehm flott. Die Altersempfehlung ab 10 Jahren passt aus meiner Sicht ebenfalls gut.

Allerdings zeigt sich mit zunehmender Spielerfahrung ein deutlicher Unterschied im Leistungsniveau. Während das grundsätzliche Ausspielen passender Tiere und das Erfüllen von Forschungsaufgaben allen Spielern gelingt, werden erfahrene Spieler gezielt auf hohe Schutzstufen, optimale Zeitpunkte und persönliche Ziele spielen. Kommt dann noch günstiger Kartenzug oder passende Forschungsaufgaben in Runde zwei und drei hinzu, können die Punkteabstände sehr groß werden. In gemischten Runden aus Kennern und Expertenspielern kann das Spiel dadurch unausgewogen wirken.

Hate Drafting spielt dagegen kaum eine Rolle. Durch die große Kartenhand ist es schwierig, gezielt Karten vor dem Gegner wegzunehmen, ohne dabei die eigenen Ziele zu gefährden. Der Fokus liegt klar auf dem eigenen Aufbau.

Unterm Strich ist Kavango ein gelungenes Kennerspiel, das bekannte Mechanismen thematisch sehr stimmig verbindet. Es erfindet das Rad nicht neu, nutzt aber bewährte Elemente auf überzeugende Weise und bietet ein positives, belohnendes Spielerlebnis für Gruppen, die Wert auf Aufbau, Planung und thematische Einbettung legen.

Name: Kavango
Erscheinungsjahr: 2025
Verlag: Schmidt Spiele / Mazaza Games
Designer: Matt Brown, Zara Reid
Illustration: Matt Brown
Spielzeit: 40–60 Minuten
Spieler: 1–4
Altersempfehlung: ab 10 Jahren

Kavango
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