
Dungeon-Crawler brauchen normalerweise viel Platz, viele Karten und noch mehr Regeln. One Card Dungeon geht bewusst einen anderen Weg. Der Name ist Programm: Das gesamte Abenteuer findet auf einer einzigen Karte statt. Dazu kommen ein paar Würfel, Marker und Charakterkarten. Mehr braucht es nicht.
Die Idee dahinter ist klar. Ein möglichst kompaktes Spiel, das man überall spielen kann. Ob das auch langfristig trägt, schauen wir uns an.
Inhalt
Material
Die Box ist klein, der Inhalt überschaubar. Eine große Dungeonkarte bildet das Spielfeld, dazu gibt es Würfel für Aktionen, Lebenspunkte und Gegner sowie mehrere Charakterkarten. Alles passt problemlos auf einen kleinen Tisch.
Der Platzbedarf ist minimal und damit einer der größten Pluspunkte des Spiels. One Card Dungeon eignet sich gut als Reisespiel, egal ob im Zug oder im Flugzeug. Auch die kurze Aufbauzeit passt dazu.

Spielablauf
One Card Dungeon ist ein reines Solo-Spiel, das über mehrere Ebenen hinweg gespielt wird. Ziel ist es, auf jeder Stufe alle Gegner zu besiegen und anschließend tiefer ins Dungeon vorzudringen.
Jede Runde beginnt mit einem Würfelwurf. Drei Energiewürfel bestimmen, wie viele Punkte in dieser Runde für Bewegung, Angriff und Verteidigung zur Verfügung stehen. Der Spieler bestimmt selbst, welcher Würfel, welcher der drei Eigenschaften zugeordnet wird.
In der Heldenphase nutzt man die erwürfelten Punkte, um sich über die Dungeonkarte zu bewegen und Monster anzugreifen. Bewegung und Angriffe sind klar geregelt und schnell abgehandelt. Um Schaden zu verursachen, müssen ausreichend Angriffspunkte ausgegeben werden, die sich am Verteidigungswert des Gegners orientieren. Ist dessen Lebensenergie aufgebraucht, wird das Monster entfernt.
Anschließend bewegen sich die Gegner in Richtung des Helden. Sie versuchen, ihn in Reichweite zu bringen, ohne näher heranzurücken als nötig. In der folgenden Angriffsphase wird geprüft, welche Monster den Helden tatsächlich erreichen. Abhängig vom Verhältnis zwischen Angriff und Verteidigung verliert der Held Lebenspunkte oder bleibt unversehrt.
Sind alle Gegner eines Levels besiegt, darf man entweder eine Fähigkeit verbessern oder die Lebenspunkte vollständig auffüllen. Danach wird die Karte neu ausgerichtet und das nächste Level vorbereitet. Mit zunehmendem Fortschritt steigt vor allem die Anzahl der Gegner, während der grundlegende Ablauf unverändert bleibt. Insgesamt gibt es vier Gegentypen, die jeweils drei Mal in den zwölf Leveln besiegt werden müssen. Unterschiedliche Charaktere bringen kleine Sonderfähigkeiten ins Spiel, verändern den Spielablauf aber nur in Nuancen.

Fazit
Regeltechnisch ist One Card Dungeon sehr einfach gehalten. Das Spiel ist bereits ab 8 Jahren gut spielbar, die Regeln sind schnell erklärt und eine Partie dauert meist unter 30 Minuten.
Im Vergleich zu Gloomhaven – Knöpfe und Krabbler wird schnell klar, wie niedrig die Einstiegshürde hier liegt. Während Knöpfe und Krabbler trotz kompakter Form taktische Entscheidungen und unterschiedliche Szenarien bietet, bleibt One Card Dungeon deutlich simpler.
One Card Dungeon verfolgt ein sehr klares und konsequent umgesetztes Konzept. Wenig Material, kurze Spielzeit und ein Spielablauf, der sich in wenigen Minuten erfassen lässt. Der geringe Platzbedarf, der schnelle Aufbau und die unkomplizierte Rundenstruktur machen das Spiel gut geeignet für unterwegs oder für eine kurze Solo-Partie zwischendurch.
Gerade dieser stark reduzierte Ablauf ist jedoch auch die größte Schwäche des Spiels. Jede Runde beginnt mit einem Würfelwurf, der weitgehend vorgibt, was möglich ist. Bewegung, Angriff und Verteidigung hängen stark von den erwürfelten Werten ab, echte Alternativen entstehen nur selten. Entscheidungen fühlen sich dadurch häufig vorgegeben an, statt bewusst gewählt.
Die steigende Schwierigkeit im Spielverlauf entsteht vor allem durch eine wachsende Anzahl an Gegnern, nicht durch neue Mechaniken oder veränderte Anforderungen. Da sich der Ablauf von Level zu Level kaum verändert, stellt sich schnell ein gleichförmiges Spielgefühl ein. Die verschiedenen Charaktere bringen etwas Abwechslung, greifen aber nur punktuell in diesen Ablauf ein.
Im Vergleich zu Under Falling Skies, das Würfel nutzt, um Spannung und Planung zu erzeugen, bleibt One Card Dungeon deutlich einfacher und stärker vom Zufall geprägt. Der Spielablauf ist schneller und zugänglicher, bietet dafür aber weniger Tiefe und langfristige Motivation.
Unterm Strich ist One Card Dungeon ein sehr leichtes Solo-Spiel, das vor allem durch seine Kompaktheit punktet. Als Reisespiel oder Einstieg in das Genre funktioniert es gut. Wer jedoch im Solo-Spiel mehr Entscheidungsfreiheit, taktische Überlegungen und nachhaltigen Wiederspielreiz sucht, wird hier eher nicht fündig. Möglicherweise lässt sich der eher geringe Wiederspielreiz durch die erhältlichen Erweiterungen noch etwas steigern, da diese zusätzliche Inhalte und Variationen ins Spiel bringen.
Name: One Card Dungeon
Erscheinungsjahr: 2020
Verlag: Corax Games / Little Rocket Games
Autor: Barny Skinner
Grafik: Marco Salogni
Spieler: 1
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
