Imperium: Horizonte führt die bekannte Imperium-Reihe fort und bleibt dabei dem Grundprinzip der Serie treu. Verschiedene Zivilisationen entwickeln sich über den Verlauf einer Partie weiter und spielen sich durch ihre individuellen Kartendecks jeweils unterschiedlich. Wer bereits Imperium: Klassik oder Imperium: Legenden kennt, findet daher die vertraute Engine wieder, bekommt mit Horizonte aber eine weitere Box mit neuen Zivilisationen und zusätzlichen Möglichkeiten.

Material

Beim Material wurden einige Kritikpunkte aus Imperium: Legenden gezielt adressiert. Den größten Teil machen erneut die zahlreichen Karten aus. Insgesamt befinden sich über 500 Karten in der Schachtel, darunter die individuellen Karten der 14 Zivilisationen sowie die allgemeinen Karten. Durch die unterschiedlichen Zivilisationsdecks entsteht bereits innerhalb der Box eine hohe Varianz.

Auch die über 200 Papptokens wurden gegenüber Legenden verbessert. Die unterschiedlichen Wertigkeiten der Ressourcenmarker sind nun deutlich besser zu erkennen und lassen sich dadurch während des Spiels intuitiver auseinanderhalten. Einer der Kritikpunkte aus dem Vorgänger ist damit für mich gut gelöst.

Eine Besonderheit sind die fast 50 Ersatzkarten. Diese enthalten Korrekturen für Karten aus Imperium: Klassik und Imperium: Legenden. Bei den Ersatzkarten gibt es allerdings eine kleine farbliche Abweichung gegenüber den ursprünglichen Karten. Für mich fällt diese beim Spielen allerdings nicht entscheidend ins Gewicht.

Deutlich verbessert wurde auch die Unterstützung beim Spielen. Neben den eigentlichen Regeln gibt es zusätzliche Spielehilfen, auf denen alle verwendeten Schlüsselwörter zusammengefasst sind. Gerade bei einem Spiel, dessen Komplexität zu einem großen Teil aus den vielen unterschiedlichen Karten und ihren Begrifflichkeiten entsteht, ist das eine sinnvolle Ergänzung.

Spielablauf

Am grundsätzlichen Spielablauf hat sich gegenüber Imperium: Legenden wenig verändert. Wer das Vorgängerspiel kennt, findet sich deshalb schnell zurecht. Nach der Vorbereitung stehen den Spielern verschiedene Zivilisationen zur Auswahl, die jeweils über ein eigenes Kartendeck verfügen. Diese unterscheiden sich nicht nur in ihren Karten, sondern auch in ihren Voraussetzungen und Möglichkeiten. Unter den 14 Zivilisationen finden sich die Abbasiden, Aksumiten, Gupta, Inuit, Japaner, Kultisten, Magyaren, Marsianer, Maya, Polynesier, Sassaniden, Taino, Tang und Wagadu.

Zu Beginn startet die eigene Zivilisation als Barbarenvolk. Im Laufe der Partie wird das Deck weiterentwickelt und die Zivilisation schließlich zum Imperium. Dabei kommen beim Mischen des Decks neue Karten aus dem jeweiligen Zivilisationsstapel hinzu. Nach dem Aufstieg stehen weitere Entwicklungsmöglichkeiten zur Verfügung, die gezielt ausgewählt und mit Ressourcen bezahlt werden können. Dadurch verändert sich das eigene Deck im Verlauf der Partie spürbar und eröffnet zunehmend andere Strategien.

Der eigentliche Zugablauf bleibt dabei vertraut. Man entscheidet sich grundsätzlich zwischen Aktivierung, Innovation und Frieden. Die Aktivierung ist die zentrale Option und erlaubt es, Karten auszuspielen und Effekte bereits ausliegender Karten zu nutzen. Karten können dabei einmalig ausgeführt und anschließend abgelegt werden oder dauerhaft im Spiel bleiben und später erneut genutzt werden. Innovation und Frieden bieten alternative Möglichkeiten, Karten zu erforschen beziehungsweise Aufstandskarten aus dem eigenen Deck zu entfernen.

Die größte Neuerung im Spielablauf ist das Handelssystem mit den Handelsrouten. Dieses erweitert die bekannte Engine um eine zusätzliche Ebene und bietet weitere Möglichkeiten, mit anderen Zivilisationen zu handeln und daraus Vorteile zu ziehen. Es verändert den grundsätzlichen Ablauf nicht, erweitert aber die Entscheidungen innerhalb der bestehenden Engine. Die Effekte Handeln, Geschäft und Profit sind auf diesen Karten möglich. Sechs der 14 neuen Völker in Horizonte können nur mit der Erweiterung gewählt werden.

Fazit

Imperium: Horizonte bleibt seinem Vorgänger grundsätzlich sehr treu, entwickelt die bekannte Engine aber an den richtigen Stellen weiter. Die Spielzeit liegt auf einem ähnlichen Niveau wie bei Imperium: Legenden, durch die zusätzlichen Handelsrouten wird sie allerdings etwas länger. Auch die Komplexität steigt dadurch noch einmal leicht an. Gerade wer bereits mit der Imperium Engine vertraut ist, dürfte damit aber gut zurechtkommen.

Der größte Vorteil von Horizonte ist für mich die enorme Varianz. Zu den 16 Zivilisationen aus Klassik und Legenden kommen 14 weitere hinzu, sodass inzwischen insgesamt 30 unterschiedliche Völker zur Verfügung stehen. Da sich die Zivilisationen aus allen drei Boxen miteinander kombinieren lassen, entstehen sehr viele unterschiedliche Partien. Zusätzlich muss für jede Partie ein Set aus den allgemeinen Karten der drei Boxen gewählt werden, wodurch sich auch abseits der eigenen Zivilisationen immer wieder andere Rahmenbedingungen ergeben.

Beim Solo-Modus bleibt der reguläre Automa-Bot weiterhin erhalten. Zusätzlich gibt es eine Variante, in der man ohne Gegenspieler mit einer einzelnen Zivilisation spielen und deren Besonderheiten kennenlernen kann. Gerade für den Einstieg ist das hilfreich, da man sich zunächst auf das eigene Volk und dessen Karten konzentrieren kann, ohne gleichzeitig einen Automa verwalten zu müssen. Für den regulären Solo-Modus stehen zudem Übersichten für alle 30 Völker zur Verfügung. Dieses zusätzliche Einstiegsspiel wurde später auch in Star Trek: Captain’s Chair in Form des Kadettenmodus aufgegriffen. Persönlich würde ich allerdings weiterhin unterscheiden: Imperium spiele ich gerne solo, während ich Captain’s Chair bevorzugt zu zweit spiele.

Von einer Partie mit drei oder vier Spielern würde ich dagegen weiterhin abraten. Die vielen Optionen sorgen bereits zu zweit für genügend Entscheidungen, und mit steigender Spielerzahl nimmt auch die Downtime deutlich zu. Der Sweet Spot bleibt für mich daher bei einem oder zwei Spielern.

Eine der wichtigsten Verbesserungen betrifft die Regeln. Die Struktur ist gegenüber Legenden deutlich klarer geworden. Beispiele helfen beim Verständnis, die zusätzlichen Übersichten erklären die Stichwörter und die verschiedenen Bereiche der Regeln sind farblich besser voneinander getrennt. Auch die Informationen zu den Handelsrouten und zum Solo-Modus lassen sich dadurch schneller finden. Damit bleibt Horizonte zwar ein komplexes Spiel, die Einstiegshürde ist aber spürbar niedriger.

Auch beim Platzbedarf lässt sich etwas optimieren. Wer das mitgelieferte Insert entfernt, kann neben Horizonte auch die Karten aus Klassik und Legenden in einer einzigen Box unterbringen. Wer zusätzlich etwas mehr Struktur auf dem Tisch möchte, kann sich eine passende Spielmatte anschaffen. Notwendig ist diese nicht, sie erleichtert aber gerade bei den vielen Karten und Auslagen die Übersicht.

Wer Imperium bisher noch nicht kennt, bekommt mit Horizonte aus meiner Sicht den besseren Einstieg in die Reihe. Die Engine ist zwar weiterhin komplex, aber die überarbeiteten Regeln und Spielehilfen machen den Zugang deutlich einfacher als bei Legenden. Gleichzeitig sind die Völker aus Klassik und Legenden thematisch vielleicht etwas greifbarer als die teilweise sehr ungewöhnlichen Zivilisationen von Horizonte. Das ändert aber nichts daran, dass gerade die große Auswahl und die Möglichkeit, alle drei Boxen miteinander zu kombinieren, einen enormen Wiederspielwert schaffen.

Horizonte ist damit keine komplette Neuentwicklung der Imperium Engine, sondern vielmehr eine konsequente Weiterentwicklung. Das Grundgerüst von Legenden bleibt erhalten, während die Schwächen bei Material und Regelerklärung verbessert und mit den Handelsrouten neue Möglichkeiten ergänzt werden. Wer die Reihe bereits kennt, bekommt vor allem mehr Varianz und ein noch besser zugängliches Imperium. Wer bisher noch kein Imperium gespielt hat, findet hier gleichzeitig den bislang rundesten Einstieg in die Imperium Engine, sofern der Start nicht lieber bei Star Trek im Weltraum erfolgt.

Name: Imperium: Horizonte
Erscheinungsjahr 2026
Spieler: 1 – 4
Alter: ab 14 Jahren
Dauer: 60-120 min
Autoren:    Nigel Buckle, Dávid Turczi
Illustration:  Mihajlo Dimitrievski, Dávid Turczi
Verlag:  Giant Roc / Osprey Games

Imperium: Horizonte
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