Kauri versetzt die Spieler nach Neuseeland und greift dabei die Veränderungen des Ökosystems seit der Ankunft der Menschen auf. Im Mittelpunkt stehen vier asymmetrische Fraktionen mit völlig unterschiedlichen Zielen und Spielweisen. Der Kiwi verteidigt seinen Lebensraum, das Possum breitet sich invasiv aus, die Maori versuchen im Einklang mit der Natur zu bestehen und der Engländer schwankt zwischen wirtschaftlicher Ausbeutung und Naturschutz.  

Material

Das Material ist individuell gestaltet, mit unterschiedlichen Komponenten pro Fraktion. Herzstück ist das große Spielbrett mit der Nordinsel Neuseelands. Dazu kommen vier komplett asymmetrische Fraktionen mit eigenen Charaktertafeln, Charakterheften, Karten und Holzmarkern.  

Kiwi und Possum bringen zahlreiche Tiermarker ins Spiel, wohingegen Maori und Engländer mit einem bzw. zwei Spielsteinen auskommen müssen. Zusätzlich gibt es Kauri-Bäume, Marker für Gewissen und Perioden sowie Vermächtnismarker, die dauerhafte Effekte freischalten.

De Gestaltung ist verspielt und unterstreicht das familientaugliche Setting. Trotz der asymmetrischen Rollen bleibt das Material funktional und übersichtlich.

Spielablauf

Eine Partie Kauri läuft über fünf Perioden mit jeweils vier Runden. Insgesamt werden also zwanzig Spielrunden gespielt. Für jeden Spieler gibt es eine Charakterheft, welches die Karten und Aktionen beschreibt. Da diese asymmetrisch sind empfiehlt es sich, diese allen Spielern zumindest grob vorzustellen.

Am Spielanfang wird auf jedem Gebiet ein Kauri Baum und ein Kiwi platziert. Der Maori Spieler wählt eine nicht-Stadt Region als Startgebiet, der Engländer wiederum eine Stadt. Zuletzt werden 4 Possums in un um die Stadt des Engländers platziert und jeder Spieler zieht eine Karte.

Zu Beginn jeder Runde ziehen alle Spieler zwei Karten, sodass sie insgesamt drei Handkarten besitzen. Anschließend wählt jeder Spieler gleichzeitig eine Karte als Aktionskarte und eine zweite als Initiativkarte. Die dritte Karte bleibt auf der Hand und steht in der nächsten Runde weiter zur Verfügung.  

Nachdem alle Karten aufgedeckt wurden, bestimmt die Initiativkarte die Reihenfolge der Spielzüge. Karten mit niedrigerem Initiativwert werden zuerst ausgeführt. Die eigentlichen Aktionen hängen stark von der gewählten Fraktion ab. Der Kiwi schützt Wälder und breitet Reservate aus, das Possum vermehrt sich aggressiv, die Maori errichten Gebäude und jagen Tiere, während der Engländer Straßen baut, Bäume fällt oder später als Ranger Possums bekämpft.

Viele Karten besitzen mehrere mögliche Aktionen oder alternative Effekte. Manche Aktionen setzen bestimmte Bedingungen voraus, etwa den aktuellen Zustand des Engländers. Dessen Gewissen verändert sich im Laufe der Partie und sorgt dafür, dass er sich vom Holzfäller zum Ranger entwickeln kann.  

Zusätzlich verfügen alle Fraktionen über sogenannte Vermächtnisse. Diese werden über spezielle Karten dauerhaft freigeschaltet und verändern die eigenen Möglichkeiten teils erheblich. Dadurch entwickeln sich die Fraktionen im Laufe der Partie weiter und erhalten neue strategische Optionen.

Am Ende jeder Periode werden bestimmte Effekte zurückgesetzt, der Gewissensmarker des Engländers steigt weiter an und eine neue Periode beginnt. Nach der fünften Periode erfolgt die Schlusswertung. Jede Fraktion erhält dabei auf unterschiedliche Weise Siegpunkte, abhängig von ihrer individuellen Spielweise und ihren erreichten Zielen.  

Fazit

Kauri spielt sich am besten mit vier Personen. Hier kommen alle Fraktionen gleichzeitig zum Einsatz und das asymmetrische Zusammenspiel entfaltet sich am stärksten. Auch zu dritt funktioniert das Spiel noch gut, allerdings sind die verwendeten Fraktionen abhängig von der Spielerzahl fest vorgegeben. Im Zwei-Spieler-Spiel bleiben sogar nur Kiwi und Possum übrig, während der Engländer automatisch gesteuert wird.  

Die angegebene Spielzeit von 45 Minuten empfanden wir etwas optimistisch. Mit vier Spielern lagen unsere Partien eher bei etwas über einer Stunde. Nach den ersten Partien und mit besserer Kartenkenntnis dürfte sich das aber spürbar verkürzen. Die Altersangabe ab zehn Jahren passt dagegen gut. Trotz der asymmetrischen Fraktionen bleibt die Komplexität überschaubar, da sich jeder Spieler im Wesentlichen nur intensiv mit seiner eigenen Fraktion beschäftigen muss.

Schwieriger ist das Thema selbst. Der Mechanismus rund um das „Gewissen“ des Engländers wirkt stellenweise problematisch, da der Wechsel vom Holzfäller zum Ranger sehr positiv dargestellt wird und damit koloniale Auswirkungen stark vereinfacht oder verharmlost erscheinen können. Auch der Vertrag von Waitangi wird im Spiel eher positiv für die Maori interpretiert, obwohl dessen historische Einordnung deutlich komplexer ist. Gleichzeitig bleibt Kauri klar ein Familienspiel und vermutlich stand hier eher die spielerische Funktion als eine tiefgehende historische Auseinandersetzung im Vordergrund.

Spielerisch sollte man sich bewusst sein, dass Kauri ein durchaus konfliktorientiertes Familienspiel ist. Gerade direkte Eingriffe können hart sein. Wenn beispielsweise durch einen Tsunami plötzlich zwei Drittel der Possums eines Spielers verschwinden, fühlt sich das nicht wie ein kleiner Rückschlag an. Viele moderne Familienspiele setzen eher auf indirekte Interaktion. Kauri geht hier deutlich konfrontativer vor, womit nicht jede Gruppe gleichermaßen glücklich werden dürfte.

Der Vergleich zu Root liegt nahe. Beide Spiele setzen auf stark asymmetrische Fraktionen mit eigenen Spielzielen und Mechanismen. Root ist allerdings deutlich komplexer, umfangreicher und durch die vielen Erweiterungen variabler.

Etwas schade ist, dass das Spielbrett nur eine Seite nutzt. Eine alternative Rückseite mit der Südinsel Neuseelands hätte relativ einfach zusätzliche Abwechslung schaffen oder das Spiel gezielt für kleinere Spielerzahlen anpassen können.

Unterm Strich bietet Kauri ein ungewöhnliches asymmetrisches Familienspiel mit klar unterschiedlichen Fraktionen und direkter Interaktion. Wer mit konfrontativen Spielen im Familienbereich kein Problem hat und Lust auf asymmetrische Spielweisen bekommt, findet hier einen spannenden und gelungenen Titel.

Name: Kauri
Erscheinungsjahr: 2025
Autor: Charlec Couronnaud
Illustration: Jérémie Fleury
Verlag: Débâcle Jeux
Verlag: Koalla Spiele / Débâcle Jeux
Spielzeit: 40-60 Minuten
Spieler: 2–4
Altersempfehlung: ab 10 Jahren

Kauri
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