1ers Contacts ist ein asymmetrisches Such- und Versteckspiel für zwei bis fünf Personen. Ein Spieler übernimmt die Rolle eines außerirdischen Wesens, das nach einem Absturz unentdeckt bleiben und zusätzlich eine geheime Spezialmission erfüllen muss. Die übrigen Spieler steuern gemeinsam ein Team aus Agenten, die versuchen, den Alien aufzuspüren und zu fangen, bevor die Zeit abläuft.

Das Spiel ist szenariobasiert aufgebaut. Jede Partie wird durch eine sogenannte Secret File bestimmt, die spezielle Regeln, ein Ereignis und eine individuelle Siegbedingung für den Alien enthält. Dadurch verändert sich der Ablauf von Partie zu Partie spürbar und sorgt für unterschiedliche Schwerpunkte zwischen Flucht, Täuschung und gezielter Suche.

Material

Der Materialumfang von 1ers Contacts ist sehr umfangreich. Herzstück ist der doppelseitige Spielplan, der eine hexagonale Karte mit verschiedenen Geländetypen zeigt. Diese Karte stellt das Einsatzgebiet dar und ist in mehrere Zonen unterteilt, die für Hinweise und Nachfragen relevant sind.

Zentral für den verdeckten Spielablauf ist der Sichtschirm des Alien-Spielers samt abwischbarer Alien-Karte. Auf dieser hält der Alien seine Bewegungen, Camps und Spuren geheim fest. Ergänzt wird dies durch Marker für Tage, Detektion und Agentenpositionen, die dem Alien helfen, den Überblick zu behalten.

Ein Kernbestandteil sind die Secret Files. Diese Umschläge enthalten jeweils ein Logbuch, ein spezielles Ereignis und eine individuelle Mission für den Alien. So geheim sind diese aber gar nicht, da diese vor jedem Szenario vorgelesen werden. Hinzu kommen zahlreiche Karten, darunter Agenten- und Alien-Ausrüstung, Missionskarten, Witness- und Oracle-Karten sowie spezielle Marker und Plättchen.

Die Agenten selbst sind als individuelle Sets umgesetzt. Jeder Agent verfügt über eine eigene Karte, eine Spielfigur, Marker und eine klar definierte Spezialfähigkeit. Diese Fähigkeiten reichen von großflächiger Ortung über gezielte Fernangriffe bis hin zu besonderen Bewegungsoptionen. Das Material ist funktional gestaltet, visuell einheitlich und unterstützt den verdeckten Charakter des Spiels gut.

Spielablauf

Eine Partie 1ers Contacts verläuft über mehrere Tage. Jeder Tag besteht immer aus zwei Phasen, dem Zug des Alien und dem Zug der Agenten. Je nach Szenario und Spielerzahl endet das Spiel nach sechs oder acht Tagen, sofern nicht vorher eine Siegbedingung erfüllt wird.

Zu Beginn der Partie wird eine Secret File gewählt. Der Alien liest das enthaltene Logbuch, das Ereignis und seine geheime Spezialmission laut vor. Anschließend bestimmt er seinen Startpunkt, der nur ihm bekannt ist. Die Agenten platzieren ihre Figuren offen auf verschiedenen Städten des Spielplans. Der Alien gibt lediglich bekannt, in welcher groben Zone er sich befindet.

Im Alien-Zug bewegt sich der Alien verdeckt über den Spielplan. Seine Bewegung wird nicht mit einer Spielfigur dargestellt, sondern ausschließlich auf der geheimen Alien-Karte hinter dem Sichtschirm eingezeichnet. Je nach Geländeart kostet das Betreten oder Überqueren eines Feldes unterschiedlich viele Bewegungspunkte. Bestimmte Felder wie Berge oder Seen sind unpassierbar. Der Alien darf seine Position niemals offenlegen, es sei denn, er wird entdeckt oder ein Effekt zwingt ihn dazu.

Anschließend sind die Agenten an der Reihe. Sie spielen gemeinsam, dürfen sich aber nur eingeschränkt austauschen. Jeder Agent bewegt sich, nutzt optional seine Spezialfähigkeit und kann versuchen, den Alien zu entdecken oder zu fangen. Entdeckungen erfolgen über Suchmuster, Scans, Hunde oder spezielle Ausrüstung. Wird der Alien entdeckt, muss er dies wahrheitsgemäß bestätigen, was den Detektionsmarker voranschreiten lässt. Wird er gefangen, endet das Spiel sofort.

Im Verlauf der Partie kommen zusätzliche Elemente hinzu. Je nachdem, wie oft der Alien entdeckt wurde, werden Witness- oder Oracle-Karten freigeschaltet, die den Agenten oder dem Alien einmalige Informationsvorteile verschaffen. Ausrüstungskarten erlauben es beiden Seiten, einzelne Züge gezielt zu beeinflussen.

Das Spiel endet sofort, wenn der Alien gefangen wird. Alternativ gewinnt der Alien, wenn er bis zum Ende des letzten Tages unentdeckt bleibt und seine geheime Mission erfolgreich erfüllt hat. Einzelne Secret Files können diese Bedingungen verändern oder erweitern.

Fazit

1ers Contacts trifft die angegebene Spielzeit insgesamt gut. Mit 30 bis 60 Minuten ist man realistisch dabei. In größeren Runden kann es etwas länger dauern, da Absprachen zwischen den Agenten Zeit kosten. Die optimale Spielerzahl liegt für mich bei vier Personen. In dieser Besetzung steht die größte Szenarioauswahl zur Verfügung, jeder Spieler übernimmt genau einen Agenten und es muss nichts aufgeteilt werden.

Die Altersempfehlung ab 10 Jahren ist grundsätzlich realistisch. Mit Kindern funktioniert das Spiel, vor allem dank der Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad über unterschiedliche Karten anzupassen. Erwachsene agieren jedoch meist deutlich trickreicher, insbesondere auf Seiten des Alien-Spielers.

Die sogenannten geheimen Missionen sind etwas irritierend, da sie faktisch nicht geheim sind. Sie werden offen vorgelesen und hätten auch problemlos direkt im Regelheft beschrieben werden können. Positiv ist dagegen, dass sich über diese Module der Anspruch gut feinjustieren lässt, sodass das Spiel sowohl familienfreundlich als auch anspruchsvoller gespielt werden kann.

Das Grundprinzip als One-vs-Many-Spiel muss der Gruppe liegen. Niederlagen gehören dazu und sollten nicht frustrieren. Durch den einfachen Rollenwechsel zwischen Alien und Agenten bietet sich das Spiel aber gut für mehrere Partien hintereinander an, ohne dass sich jemand dauerhaft benachteiligt fühlt.

Besonders gelungen ist die Rastersuche mit den Rahmen. Sie ist sehr greifbar, erzeugt Spannung und sorgt für viel Interaktion am Tisch. Die optional erhältlichen Acrylrahmen sind eine nette Ergänzung, ebenso Alternativen aus dem 3D-Drucker. Die mitgelieferte Pappvariante erfüllt ihren Zweck allerdings vollkommen.

Das Artwork ist etwas verspielt, funktioniert thematisch mit dem Alien-Setting aber gut. Am Tisch entsteht oft eine lebhafte, teilweise auch laute Atmosphäre. Mit den zwölf Szenarien bietet das Spiel eine ordentliche Abwechslung, auch wenn einzelne Partien durch Glückseinflüsse kippen können.

Eine kleine Besonderheit ist der Titel selbst. 1ers Contacts ergibt im Französischen Sinn, da „1ers“ dort als Abkürzung für „premiers“ steht. In der englischen Sprache wirkt der Titel dagegen etwas ungewohnt. Hier hätte man eher „First Contacts“ oder „1st Contacts“ erwartet. Das ist kein inhaltliches Problem, fällt aber beim ersten Lesen durchaus auf.

Unterm Strich ist 1ers Contacts ein abwechslungsreiches, interaktives One-vs-Many-Spiel, das besonders von Kommunikation, Deduktion und Atmosphäre lebt. Wer Spaß an gemeinsamer Suche, Diskussionen und asymmetrischen Rollen hat, findet hier einen eigenständigen Vertreter des Genres der nicht zu komplex ist.

Name: 1ers Contacts
Erscheinungsjahr: 2025
Designer: Michael Munoz
Illustration: Victor Dulon, Titouan Crasson
Verlag: Explor8
Spielzeit: 30–60 Minuten
Spieler: 2–5
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

1ers Contacts
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