Die Werft

diewerft Das Spiel von Vladimir Suchy aus dem ambitionierten tschechischen Verlag “Czech Game Edition gehört zu den Spielen, bei denen der englische Titel “Shipyard” eigentlich auch in Deutschland funktionieren würde. Der Titel “Die Werft “ wirkt etwas eckig und nicht so einladend für einen gemütlichen Spielabend. Um es daher gleich vorweg zu nehmen: Das Spiel ist keineswegs eckig, sondern eines der Sorte “Lass uns noch ne Runde machen”.

Es geht darum, Schiffe zu bauen, diese mit Crew und Equipment auszustatten  und auf eine Jungfernfahrt zu bringen.  Als Kulisse dient der Beginn des industriellen Zeitalters, als die ersten großen Dampfschiffe entstanden und die Segelschiffe für transatlantische Überfahrten ablösten. Dabei wurde dem Schiff, dass den Atlantik am schnellsten überquerte, das heißbegehrte “blaue Band” verliehen.

Der Bau der Schiffe in der Werft geschieht mit einem etwas erklärungsbedürftigen Aktions- System, das aber, einmal verstanden, gut bedienbar ist. Die Spieler wählen 8 Aktionen auf einer Leiste aus, die fortlaufend ist. Eine gewählte Aktion verändert dabei die Position und wird an die erste Position gelegt, nachdem sie für eine Runde vom ausfährenden Spieler blockiert war. So “wandern” die acht Aktionen auf einer Art “Zeitskala” und bewirken ein Rundensystem von bis zu 4 Runden je nach Spielerzahl.

Die einzelnen Aktionen können mehr oder weniger frei ausgewählt werden, Jedoch gibt es für das Erreichen von genügend SIegpunkten einiges zu berücksichtigen: Ein Regierungsauftragskärtchen bringt zum Spielende Punkte dafür, das die erbauten Schiffe bestimmte Kriterien erfüllen, z.B. besonders viele Sicherheitsausstattung/ Rettungsring, Leuchte, Rettungsboot) hat  oder durch viele Schornsteine besonders schnell ist.

diewerft_gAuch bei der Jungfernfahrt eines Schiffes können solche und andere Sonderpunkte eingesammelt werden. Im Einzelnen gibt es Punkte für die Anzahl der Crew Mitglieder, die Anzahl der Kanonen/ Lastenkräne, die Geschwindigkeit und das Ergebnis der Jungfernfahrt selbst.

Der Reiz des Spiels liegt eindeutig darin, die richtige Aktion zum richtigen Zeitpunkt auszuführen. Beschleunigen lässt sich die gezielte Suche nach Crew und Ausstattung durch Geld oder Sonderaktionen.  Trotzdem lassen sich maximal 2 Aktionen pro Runde aus den folgenden 8 möglichen Aktionen auswählen:

  • Schiffe bauen:  Pro Runde können Spieler aus der Auslage der Schiffsteile bis zu 3 Bug-, Heck- oder Mittelteile für ihr Schiff auswählen. Die teile unterscheiden sich in der Art der Ausstattung. Manche haben Einbaustellen für weitere Bauteile, Kajüten oder Sicherheits- Equipment
  • Rohstoffe kaufen: der die Werft beliefernde Güterzug bringt den Spielern je drei unterschiedliche Güterwaggons mit Gold, Eisen oder Kohle als Rohstoffen, die in der Aktion…
  • Handel treiben .. entweder zu Geld oder gegen Ausstattung und Crew eingetauscht werden können.
  • Ausrüstung herstellen: hier können Lastenkran, Schornstein, Segel oder Kanonen bezogen werden
  • Crew anheuern Hier können Kapitän, Kaufmann und Soldaten als Mannschaft angeheuert werden. Dass unter diesen Punkt auch die Schiffsschraube zu erhalten ist, erscheint als kleiner Logik- Fehler, wird aber wohl zugunsten der Spielbalance vom Autor so geregelt worden sein.
  • Kanal mieten: Das Schiff muss schwimmen, deshalb benötigt der Spieler einen Kanal, in dem er seine Schiffe zur Jungfernfahrt vom Stapel laufen lassen kann. Der Kanal muss von der Länge her der Geschwindigkeit des jeweiligen Schiffes entsprechen, sonst kann keine Wertung stattfinden
  • Arbeitskräfte kaufen: diese Helferlein sind in 4 Kategorien aufgeteilt, den Handwerkern, die es erlauben, die Schiffe besser auszustatten,  Den Ingenieuren, die mehr Ausstattungsgegenstände erzeugen können, den Händlern, die bessere Konditionen auf dem Rohstoffmarkt aushandeln und zwei Sonderfunktionen: Der Buchhalter verbessert die Auswahl der Crew, der Vorarbeiter die Auswahl weiterer Arbeitskräfte
  • Subventionen erhalten: Diese Aktion wird nur bei 4 SPielern benötigt, da hier das Geld eher knapp wird, weil die teuer zu erkaufende SOnderaktion öfter verwendet werden muss.

Alles in allem ist “die Werft” ein komplexes, aber flüssig zu spielendes Strategiespiel mit Wiederholungsfaktor. Es gibt genügend Variationsmöglichkeiten und reichlich Entscheidungsspielraum bei der Auswahl der jeweiligen Aktionen. Karten und Würfel werden nicht benötigt, das Spielmaterial ist vollständig aus hochwertigem Material gefertigt. und grafisch gut umgesetzt.

Abzüge in der B-Note gibt es einmal mehr für die Spielregel. Austattung, Aufbau und Einzelbedeutung der Karten und Steine sind gut erklärt, aber der Spielablauf erschliesst sich erst nach einigem Querlesen. Da hefen auch die Beispielabbildungen nicht wirklich. Trotzdem ist das Spiel selbst absolut empfehlenswert.

Erscheinungsjahr: 2009
Verlag: CGE
Autor: Vladimir Suchy
Illustration: Filip Murmak
Spieler: 2-4
Dauer: ca. 120 Minuten
Altersangabe: ab 12 Jahren

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