
Origin Story stellt die Entstehungsgeschichte eines Superhelden in den Mittelpunkt. Über mehrere Kapitel hinweg entwickelt sich die eigene Figur vom unbekannten Charakter hin zu einem Helden mit individuellen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen. Dabei entstehen nicht nur spielerische Kombinationen, sondern auch eine kleine persönliche Geschichte, die sich aus den gewählten Karten zusammensetzt.
Spielerisch verbindet das Spiel klassische Stichspiel-Elemente mit dem Aufbau einer eigenen Karten-Engine. In jeder Runde kommen neue Fähigkeiten hinzu, die den eigenen Spielstil verändern. Gleichzeitig entscheidet man immer wieder neu, ob man als Held aktiv eingreift oder als Schurke im Hintergrund agiert.
Inhalt
Material
Der Materialumfang ist, wie von Stonemaier gewohnt, qualitativ gut. Enthalten sind fünf Spielertableaus, als dickes Comicbuchcover, 64 Storykarten, 10 Superhelden- beziehungsweise Referenzkarten sowie 18 Ereigniskarten. Ergänzt wird das durch ein klassisches Kartenset mit 52 Spielkarten in vier Farben.
Jeder Spieler erhält zudem ein Wertungsrad für Siegpunkte und Gesinnung sowie einen Vorrat an Ausdauer-Markern. Diese dienen als zentrale Ressource, um Fähigkeiten zu aktivieren.

Die Storykarten sind das Herzstück des Spiels. Sie werden im Verlauf der Partie dauerhaft in das eigene Tableau integriert und bilden die individuelle Engine eines Spielers. Die Illustrationen sind präsent und unterstützen das Superhelden-Thema gut, ohne die Lesbarkeit zu beeinträchtigen.
Das Artwork ist, wie so oft, Geschmacksache. Mir gefällt der Stil gut, vor allem da er von typischen Superhelden Genres von Marvel und DC abweicht.
Spielablauf
Eine Partie Origin Story besteht aus fünf Runden, die jeweils acht Stiche umfassen. Zu Beginn jeder Runde erhalten alle Spieler Handkarten aus dem zentralen Kartendeck. In der dritten Runde kommt zusätzlich ein zufälliges Ereignis ins Spiel, das die Regeln oder Wertung verändert. In der fünften Runde wählen die Spieler ihre Superheldenfähigkeit, die zuvor nur als Referenz diente.
Parallel dazu entwickelt jeder Spieler seine eigene Auslage weiter. In den ersten vier Runden zieht man jeweils mehrere Storykarten, wählt eine davon aus und integriert sie in sein Tableau. Diese Karten bringen neue Fähigkeiten ins Spiel, die mit Ausdauer aktiviert werden können. Die Ausdauer wird zu Beginn jeder Runde verteilt und anschließend auf die eigenen Karten gelegt, um deren Effekte nutzbar zu machen.
Ein zentraler Mechanismus ist die Wahl der Gesinnung. Zu Beginn jeder Runde entscheidet sich jeder Spieler gleichzeitig, ob er als Held oder als Schurke spielt. Helden versuchen, möglichst viele Stiche zu gewinnen und erhalten dafür Siegpunkte. Schurken hingegen wollen keinen Stich gewinnen und werden dafür mit vier Siegpunkten belohnt, wenn ihnen das gelingt.

Das Stichspiel selbst folgt klassischen Regeln. Ein Spieler spielt eine Karte aus, die anderen müssen bedienen, sofern möglich. Die Farbe „Herz“ fungiert dabei als Trumpf und schlägt alle anderen Farben. Der Gewinner eines Stichs erhält die Karten und eröffnet den nächsten Stich.
Viele Storykarten brechen diese Grundregeln gezielt auf. Sie erlauben es, Kartenwerte zu verändern, Stiche umzulenken oder zusätzliche Effekte auszulösen. Dadurch entsteht ein Zusammenspiel aus klassischem Stichspiel und individuellen Fähigkeiten, das sich im Laufe der Partie immer weiter verdichtet.
Nach fünf Runden endet das Spiel. Wer die meisten Siegpunkte gesammelt hat, gewinnt.
Fazit
Origin Story spielt sich mit rund 45 Minuten angenehm zügig und bleibt dabei gut im vorgegebenen Rahmen. Der Solomodus mit eigenem Deck funktioniert, ebenso die Zwei-Spieler-Variante mit Dummy-Spielern. Am rundesten fühlte sich das Spiel für uns jedoch mit drei bis vier Personen an. Ab 12 Jahren kann man sich mit Erfolg an den Superheldenkampf wagen.
Die grundlegenden Stichspiel-Mechaniken sind schnell erklärt, sodass man ohne große Einstiegshürde losspielen kann. Schwieriger wird es beim Einschätzen der eigenen Kartenhand. Durch die geringe Kartenanzahl pro Runde sind nur ein Teil des Decks im Spiel, was das Kalkulieren deutlich erschwert.

Über die Partie hinweg wächst die eigene Auslage stetig. Zu Beginn ist das noch überschaubar, gegen Ende kann es jedoch etwas unübersichtlich werden, wenn mehrere Fähigkeiten ineinandergreifen. Wenn die Karten gut zusammenpassen, entsteht ein sehr befriedigendes Spielgefühl und man hat das Gefühl, seine eigene kleine Engine sinnvoll aufgebaut zu haben.
Allerdings bringt das Spiel auch einen spürbaren Glücksfaktor mit sich. Dieser zeigt sich nicht nur bei den Handkarten, sondern auch bei den Storykarten. Je nachdem, welche Kombinationen man erhält, kann sich eine Partie sehr unterschiedlich entwickeln. Besonders die finale Superheldenkarte kann noch einmal viele Punkte bringen und eine Partie stark beeinflussen.
Das führt dazu, dass sich gute Partien sehr belohnend anfühlen, während andere Runden frustrierend sein können, wenn über mehrere Durchgänge hinweg keine passenden Karten kommen. Auch die Balance der Karten wirkt nicht immer ganz sauber.
In der Erwartung eines Stichspiels mit ergänzenden Engine-Elementen fühlt sich Origin Story eher umgekehrt an. Die Fähigkeiten stehen im Vordergrund und das Stichspiel dient mehr als Rahmen. Für Spieler mit klassischem Stichspiel-Hintergrund kann das zu zufällig wirken.
Unterm Strich ist Origin Story ein zugängliches, leicht chaotisches Superheldenspiel mit ansprechendem Artwork. Wer sich auf die Mischung aus Stichspiel und variabler Kartenentwicklung einlassen kann und mit einem gewissen Glücksanteil kein Problem hat, wird hier unterhalten.
Name: Origin Story (Hero Story)
Erscheinungsjahr: 2025
Verlag: Stonemaier Games / Feuerland Spiele
Autor: Jamey Stegmaier, Pete Wissinger
Illustration: Clémentine Campardou
Spielzeit: ca. 45 Minuten
Spieler: 1–5
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
