
Es gibt nicht wenige Menschen die eine gewisse Abneigung gegen Insekten haben. Das Spiel Krabler Chaos könnte mit diesem Problem Schluss machen, denn wir haben hier mit Insekten der eher originellen und lustigen Sorte zu tun, die zudem schön gezeichnet sind. Wir nennen sie hier auch gar nicht erst Insekten, sondern einfach Krabbler.
Als eben solche Krabbler wurden wir von täuschend echten, niedlichen, aber insekten-feindlichen Kuscheltieren gefangen genommen und in ein Verlies geworfen. Nun müssen wir entfliehen, aber der Weg führt über vier Stockwerke eines Turms nach oben. Um das rettende Dach zu erreichen, müssen wir an den Schurken also vorbei kommen. Damit wirft das Spiel ein humorvolles Licht auf das sonst eher düstere Genre der Dungeon-Crawler.
Inhalt
Material
Eine Auffälligkeit ist es , dass sich der Spielplan und die gut 163 Karten grafisch ergänzen. Die Rückseiten der verschiedenen Kartenarten sind identisch auf dem Spielplan abgebildet.
Auch fällt und positiv auf, dass die Aufsteller für die Figuren nicht aus labilen Plastik sondern aus Holz sind, was zur Folge hat, dass die Figuren tatsächlich stabil stehen.
Die Spieler wählen anfangs eine der Krabbler Tafeln . Darauf markieren sie Ihr Schwertkampf- und Fernkampf – Punkte sowie Ihr Goldvermögen. Für den Kampf besitzen sie zwei Würfel, die Treffer oder Verwundung anzeigen können.
Abgerundet wird die Materialliste mit etlichen Plättchen und Markern aus Holz und Pappe. die Plättchen dienen als Siegpunkte oder zeigen Informationen von besiegten Monstern beziehungsweise werden als Verwundungsmarker verwendet. Mit den Holzmarkern werden verschiedene Dinge markiert, z.B. wenn eine Karte mehrere Versuche enthält oder wenn es bestimmte Sondereigenschaften gibt.
Der Spielaufbau gestaltet sich trotz reichlich verschiedener Komponenten als unkompliziert, da die Anleitung alles exakt beschreibt. Hier wird erstmals die dem Spiel innewohnende Vereinfachung im Vergleich zu komplexen Dungeon Crawlern deutlich.

Spielablauf
Das Spiel läuft über vier Runden, wobei jede Runde ein Stockwerk des Turms darstellt, das wir emporsteigen müssen. Auf dem Weg nach oben müssen wir uns ausrüsten, Missionen erfüllen und uns immer gefährlicheren Monstern stellen.
Wir durchlaufen in jeder der vier Runden genau vier Phasen. in der Handelsphase rüsten wir uns aus und kaufen Gegenstände, z.B Schwerter, Pfeile für den Bogen oder Ausrüstungskarten mit Gegenständen, die besondere Eigenschaften haben, z.B Tränke, die unsere Trefferquote verbessern.
in der Abenteuerphase machen wir uns auf den Weg durch die Etage des Turms. Dabei führen wir unterschiedliche Aktionen aus. Z.B können wir gegen eins der Kuschelmonster kämpfen oder wir erfüllen bestimmte Missionen, indem wir deren Bedingungen erfüllen. Manchmal müssen wir auch kleine Brücken überqueren und können dort zusätzliche Belohnungen erhalten.
Das Kampfsystem ist sehr einfach gehalten. Wir würfeln mit unseren beiden Kampfwürfeln und zählen die Treffer mit den Treffern auf unserer Charaktertafel zusammen. Wenn wir z.B. Ausrüstung an der Charaktertafel haben, können wir so unsere Trefferquote erhöhen. Das gleiche gilt für den Schild, der ebenfalls durch Ausrüstungskarten erweitert werden kann. Ein Monster ist besiegt, wenn wir es schaffen, seine Lebenspunkte auf 0 zu bringen. Dies können mehrere Spieler gleichzeitig tun, in diesem Fall wird die möglichen Beute unter den Spielern aufgeteilt.
Irgendwann landen alle Spieler an der Treppe, sodass dort ein Gerangel um die Positionen entsteht. Wir müssen hier würfeln, um Reihenfolge und Beute untereinander zu verteilen. Zusätzliche Ausrüstung und Hilfsmittel sind dabei erlaubt. Lebenspunkte verlieren wir an dieser Stelle allerdings nicht.
Nachdem alle Belohnungen auf der Treppe ausgespielt sind, steigen die ein Stockwerk hoch und beginnen die Runde wieder von vorne, diesmal mit einer anderen Anordnung von Monstern und Missionen im Stockwerk. Schließlich versuchen wir nach dem Erreichen des vierten Stockwerks, ins Freie zu gelangen. Dafür haben die Stockwerk – Karten auf der Rückseite eine Art Wegenetz, dass nun neben dem Spielplan ausliegt. Je nachdem, welchen Weg wir nehmen, müssen wir unterschiedliche Bedingungen erfüllen oder Treffer würfeln. Wer hier den Weg ins Feuer am weitesten schafft, erhält entsprechend viele zusätzliche Siegpunkte.
Das Spiel endet, sobald alle Spieler ihren Weg ins Freie beendet haben. Nun werden alle während der runden gesammelten Siegpunkte gezählt und mit denen des Fluchtwegs addiert. Wer am Ende auf dem Dach die meisten Siegpunkte vorweisen kann, gewinnt.

Fazit
Krabbler-Chaos spielt sich tatsächlich wie eine Art komprimierter Dungeon Crawler. Es besitzt alle Komponenten wie Kampfsystem, Ausrüsten, Charakter und Beute, allerdings eben in vereinfachter Form. Die erste Partie dauert wegen des Kennenlernens der Komponenten etwas länger, später ist aber eine flüssiger Aufbau und Spielablauf möglich.
Gut gefallen hat uns der variable Spielaufbau und die unterschiedlichen Spezialfähigkeiten der einzelnen Krabbler-Charaktere. Das lässt viel Varianz, sodass jede Partie ein wenig anders verläuft. Impliziert aber auch, dass man nicht wirklich eine Strategie anwenden kann. Man nimmt eigentlich immer, was man bekommen kann, sofern noch Plätze frei sind. Bei mehreren Spielern kann es hier durchaus zu Engpässen kommen.
Etwas gewöhnungsbedürftig fanden wir die Aktions – Mechanik. Entweder entscheiden wir uns für eine Bewegung oder eine Kampfaktion. Das macht Sinn, wenn wir bei einem großen Monster auf einen Mitspieler warten wollen und klingt auch einfach. Jedoch haben wir die Extra- Bewegung nach dem Kampf öfter vergessen. Hier hätte die Anleitung die wichtige “Blitzphase” und die Anwendung des Blitz – Markers deutlicher beschreiben müssen. einen Pluspunkt gibt es allerdings für die vollständige und gute Beschreibung aller Aktions- und Beutekarten.
Krabbler-Chaos richtet sich vorwiegend an Familienspieler, die Lust auf ein taktisches Abenteuer mit einer humorvollen Optik haben und kein Problem damit haben, wenn man sich gegenseitig auch mal ein Bein stellt. Das liegt an der pseudo -kooperativen Auslegung des Spiels. Wir ziehen zwar irgendwie zusammen los, um beispielsweise ein Monster mit vereinten Kräften zu besiegen, aber am Ende kämpft jeder für die eigene Tasche. Ob die Flucht aus einem Verlies auf das Dach eines Turms wirklich die Lösung ist, bleibt dahingestellt. Vielleicht hätten die Redakteure das Verlies auch in die Turmspitze und die Flucht nach unten festlegen können.
Damit ordentlich Gedränge herrscht, ist Krabbler – Chaos für bis zu 6 Spieler ausgelegt. Bei zwei Spielern verwenden beide Spieler daher einfach zwei Charaktertafeln und einige Sonderregeln.. Die ideale Besetzung ist demnach aber 3-4 Spieler, da hier das Spiel auch nicht allzu lange dauert. Uns hat es jedenfalls in dieser Spielerzahl gut gefallen.
Erscheinungsjahr: 2026
Verlag: Bombyx / asmodee
Autoren: Grégoire Largey, Frank Crittin und Sébastien Pauchon
Grafik: Felideus Bubastis
Spieleranzahl: 2 bis 6 Personen
Spieldauer: ca. 60 Minuten
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
