
Marvel: Duell in New York ist ein reines Zwei-Personen-Spiel, das einen direkten Schlagabtausch zwischen Helden und Schurken im Marvel-Universum inszeniert. Gespielt wird auf einem gemeinsamen Spielplan mit drei Schauplätzen in New York, an denen Karten ausgespielt, angegriffen und gewertet werden.
Mechanisch handelt es sich nicht um ein völlig neues Spiel. Marvel: Duell in New York ist eine Re-Implementierung von Kampf um den Olymp von 2016. Der grundlegende Ablauf, die Struktur der Züge und viele zentrale Ideen wurden übernommen und thematisch auf Marvel übertragen.
Material und Ausstattung
Das Spielmaterial ist umfangreich, aber klar strukturiert. Enthalten sind insgesamt 120 Karten, darunter Heldenkarten, Schurkenkarten und Ortskarten. Jede Seite verfügt über ein eigenes Kartendeck mit Haupt- und Nebencharakteren, die sich in Kosten, Stärke, Lebenspunkten und Effekten unterscheiden.
Der Spielplan zeigt drei feste Schauplätze: Manhattan, Sanctum Sanctorum und den Avengers Tower. Diese bestimmen nicht nur die Angriffsreihenfolge, sondern bringen auch unterschiedliche Boni ins Spiel, wenn an einem Ort kein Gegner gegenüberliegt.

Ergänzt wird das Material durch Schadensmarker, Zivilistenmarker in vier Farben, Artefaktplättchen sowie Marker für Siegpunkte und Artefaktfortschritt. Die Artefakte bringen dauerhafte oder einmalige Effekte ins Spiel und werden über eine eigene Leiste verwaltet.
Der Appendix, der Online bei Asmodee verfügbar ist, erklärt sämtliche Karten und Effekte im Detail. Gerade bei der Vielzahl an Sonderfähigkeiten ist diese Übersicht hilfreich. In der physischen Version fehlt dieser Anhang allerdings, was das Nachschlagen einzelner Effekte etwas erschwert.
Spielablauf
Gespielt wird abwechselnd, bis eine der Endbedingungen erreicht ist. Ein Spielzug besteht immer aus drei Phasen.
In der ersten Phase können beliebig viele Karten aus der Hand ausgespielt werden. Um eine Karte zu spielen, müssen andere Handkarten als Kosten abgeworfen werden. Welche Farben benötigt werden, gibt die Karte vor. Helden können zusätzlich Zivilistenmarker nutzen, um Kartenkosten zu ersetzen.
Haupt- und Nebencharaktere werden an feste Kartenplätze auf dem eigenen Spielplan gelegt. Befindet sich bereits eine Version eines Hauptcharakters im Spiel, wird diese kostenlos ersetzt. Dies spart einerseits Kosten, entfernt aber auch zugleich den bisher erlittenen Schaden des Hauptcharakters.
Es folgt die Angriffsphase. Beginnend in Manhattan greifen alle eigenen Karten nacheinander an, sofern sie eine Stärke besitzen. Befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite eine gegnerische Karte, wird diese angegriffen und erhält Schaden. Liegt dort keine Karte, erhält der aktive Spieler stattdessen den Bonus des jeweiligen Schauplatzes, etwa Siegpunkte, Zivilistenmarker, Ortskarten oder Fortschritt auf der Artefaktleiste. Viele Karten verfügen zusätzlich über Angriffseffekte, die den Ablauf weiter beeinflussen.
In der letzten Phase zieht der aktive Spieler zwei Karten nach. Ein Handkartenlimit gibt es nicht.

Das Spiel endet sofort, sobald eine der Siegbedingungen erfüllt ist, etwa durch das Erreichen einer bestimmten Anzahl an Siegpunkten, das Befreien von zehn der zwölf Zivilisten oder das Leeren eines Nachziehstapels.
Der Ablauf ist klar strukturiert und schnell verinnerlicht. Die Vielzahl an Karteneffekten sorgt für Interaktion und direkte Konfrontation, ohne den grundlegenden Zugaufbau unnötig zu verkomplizieren.
Fazit
Marvel: Duell in New York ist schnell gespielt und nach kurzer Regelerklärung zügig aufgebaut. Eine Partie dauert etwa 30 Minuten und mit etwas Lese- und Spielerfahrung ist das Spiel grundsätzlich auch schon ab 8 Jahren machbar.
In der Praxis zeigte sich bei uns allerdings ein deutliches Frustpotenzial. Nach der ersten Partie wurde das Spiel von einem Kind ausdrücklich nicht noch einmal gewünscht. Dafür gibt es mehrere Gründe, die sich vor allem aus dem Kartensystem ergeben.
Der Zufall beim Kartenziehen spielt eine große Rolle. Es kann leicht passieren, dass die eigene Hand über mehrere Züge hinweg kaum sinnvoll spielbaren Kombinationen zulässt. In diesen Momenten fühlt man sich dem Spielverlauf weitgehend ausgeliefert und kommt kaum ins Geschehen. Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass zu Beginn 15 Karten aus jedem Deck aussortiert werden.
Statistisch befinden sich damit nur noch drei Karten jedes Hauptcharakters im Deck. Diese müssen dann auch noch zum richtigen Zeitpunkt gezogen werden, um das kostenlose Ersetzen eines Charakters auslösen zu können. Gelingt das, ist die Aktion sehr stark und fühlt sich gut an. Bleibt sie aus, entsteht schnell ein Ungleichgewicht.
Hinzu kommt, dass die Schurkenseite für uns benachteiligt wirkte. Die Helden können über die Zivilistenmarker relativ schnell zusätzliche Karten spielen und Kosten umgehen, was ihnen spürbar mehr Flexibilität verschafft. Gerade in Kombination mit gut gezogenen Karten entsteht so ein deutlicher Vorteil. Diese Einschätzung basiert allerdings nur auf einer begrenzten Anzahl an Partien und kann sich mit mehr Spielerfahrung oder gezielterem Spiel auf der Schurkenseite noch relativieren.
Positiv bleibt der grundsätzliche Schlagabtausch. Wenn beide Seiten Zugriff auf passende Karten haben, entfaltet das Spiel einen gelungenen Tug-of-War-Charakter. Angriffe, Gegenangriffe und das Ringen um die Schauplätze können dann durchaus Spaß machen.
Unterm Strich bleibt bei uns jedoch ein gemischter Eindruck. Die Marvel-Lizenz ist attraktiv und thematisch gut eingebunden, der spielerische Kern sorgte jedoch zu oft für Frust statt für Spannung. Wenn alles zusammenpasst, kann Marvel: Duell in New York unterhalten. In unseren Partien überwogen allerdings die negativen Momente. Entsprechend greifen wir lieber zu anderen Duellspielen, die uns konstanter fordern und weniger Frust erzeugen. Titel wie Riftforce bieten aus unserer Sicht mehr Kontrolle über das eigene Spiel, klarere Entscheidungen und damit insgesamt die stimmigere Zwei-Spieler-Erfahrung.
Name: Marvel: Duell! In New York
Erscheinungsjahr: 2025
Verlag: Lookout Games
Autor: Matthias Cramer
Spielzeit: 30 Minuten
Spieler: 2
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
