In Project L puzzeln die Spieler um die Wette, erweitern ihren Vorrat an Legesteinen und versuchen, immer anspruchsvollere Aufgaben möglichst effizient zu lösen.  Wer in den 1990er-Jahren einen Game Boy besaß, dürfte beim Anblick der Legesteine sofort an Tetris denken.

Das Prinzip, unterschiedlich geformte Teile möglichst effizient zusammenzufügen, fasziniert seit Jahrzehnten Spieler auf der ganzen Welt. Genau dieses vertraute Gefühl greift Project L auf – allerdings nicht als hektisches Reaktionsspiel, sondern als modernes Brettspiel für 1-4 Spieler.

Material

Nach dem Öffnen der Schachtel fallen uns als Erstes die farbigen Legesteine aus Kunststoff ins Auge, die uns ein wenig an den Videospiel – Klassiker Tetris erinnern. Insgesamt befinden sich 90 Acrylteile in der Box, verteilt auf neun unterschiedliche Formen mit jeweils zehn Exemplaren. 

Die zweite wichtige Komponente des Spiels sind die Puzzlekarten. Insgesamt liegen 52 Karten bei: 32 weiße und 20 schwarze Puzzles mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden bei. Die Karten bestehen aus stabiler Pappe und besitzen vertiefte Aussparungen, in die die Legesteine exakt eingesetzt werden können, ohne zu verrutschen. 

Eine eher untergeordnete Rolle spielen die vier Spieler Boards. Diese dienen dazu, den eigenen Vorrat an Legesteinen übersichtlich zu organisieren. Zudem dienen Sie als Übersicht der unterschiedlichen Legeformen und der Spielabläufe und tragen zur guten Übersicht am Spieltisch bei. .

Spielablauf

Eine Partie Project L erstreckt sich über mehrere Runden, in denen die Spieler nach und nach ihren Vorrat an Legesteinen ausbauen und damit immer anspruchsvollere Puzzles lösen. Jeder Spieler startet mit zwei einfachen kleinen Steinchen, doch im Laufe des Spiels kann man sich weitere Steine durch cleveres Puzzeln und den Ausbau seiner Ressourcen sichern, da man diese als Belohnung der Fertigstellung jeder Vorlage erhält. 

Wer an der Reihe ist, führt drei Aktionen aus. Dabei stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung: Neue Puzzlekarten können aufgenommen, vorhandene Steine auf eigene Puzzles gelegt oder der persönliche Vorrat durch bessere beziehungsweise größere Steine erweitert werden. Das zentrale Element des Spiels besteht darin, die vorhandenen Formen möglichst effizient in die Aussparungen der ausliegenden Puzzlekarten einzusetzen. 

Sobald ein Puzzle vollständig ausgefüllt wurde, wird es abgeschlossen. Der Spieler erhält die auf der Karte angegebenen Belohnungen in Form von Siegpunkten und/oder zusätzlichen Legesteinen. Zusätzlich nimmt er die verwendeten Teile wieder zurück in seinen persönlichen Vorrat. 

Das Spiel endet, sobald die letzte schwarze Puzzlekarte aus der Auslage genommen wurde. Anschließend werden die verbliebenen Puzzles noch abgeschlossen und sämtliche Siegpunkte addiert. Wer die höchste Punktzahl erreicht hat, gewinnt die Partie. 

Spielerlebnis

Die Spannung kommt dabei durch das Timing: Wann hole ich mir neue Vorlagen, wann verbessere ich meine Plättchen, und wie schnell kann ich meine Puzzles abschließen, um in der Endwertung die Nase vorn zu haben? Auch haben zwar die meisten Vorlagen Siegpunkte aufgedruckt, allerdings gibt es auch weniger herausfordernde ohne Siegpunkte, aber mit Steinchen-Belohnung.

Das Clevere an „Project L“ ist, dass es sowohl für den schnellen Einstieg generationsübergreifend, als auch für intensivere Grübelrunden geeignet ist. Die Regeln sind sehr einfach und schnell verstanden, aber die Optionen bieten genug Tiefe, um immer wieder für spannende Entscheidungen zu sorgen. Und wenn die Runde erst einmal läuft, entwickelt sich eine fast meditative Knobel-Atmosphäre – ideal, um z.B. nach einem anstrengenden Tag den Kopf freizubekommen oder für den Einstieg bzw als Absacker eines Spieleabends.

„Project L“ spielt seine Stärken in allen getesteten (2er und 3er) Runden aus, wobei mir persönlich das Wettpuzzeln zu zweit am besten gefallen hat. Es fühlt sich gleichförmiger, aber auch spannender an. Es entsteht eine besonders schöne Balance aus Konkurrenz und gleichzeitigem eigenen Vorankommen. 

Doch auch in Gruppen mit bis zu vier Spielern verliert es nichts von seiner Eleganz, auch wenn die Partie zu mehreren ein wenig länger dauert.  Die Downtime ist trotzdem durch kurze Nachdenkzeiten, sowie paralleles Überlegen nicht zu lang und birgt somit kein wirkliches Frustpotenzial, vor allem nicht bei solch einem Wiederspielwert nach kurzer Spieldauer.

Fazit

Insgesamt überzeugt Project L durch seine gelungene Mischung aus einfacher doch edler Haptik und Optik, einfacher Zugänglichkeit und taktischer Tiefe.

Das Spiel bietet sowohl Anfängern als auch erfahrenen Puzzle-Fans eine ansprechende Herausforderung, die bei jeder Spielerunde für Spaß und Spannung sorgt.

Die Möglichkeit, sich auf verschiedene Weisen an das Puzzeln heranzutasten und die clevere Gestaltung der Spielmechanik machen es zu einem flexiblen Erlebnis, das in unterschiedlichen Spielkonstellationen gut funktioniert.

Mit seiner meditativen Atmosphäre eignet sich Project L perfekt als entspannender Abschluss eines Spieleabends oder als unterhaltsamer Einstieg in neue Spielwelten.

Alle, die Lust auf ein haptisch ansprechendes, leicht zugängliches und trotzdem forderndes Spiel haben, sollten „Project L“ durchaus mal eine Chance geben. Uns hat es positiv überrascht, da es zuerst etwas unscheinbar daherzukommen schien, hat aber jetzt einen Platz in der Sammlung

Erscheinungsjahr: 2020
Spieler: 1-4
Alter: ab 8 Jahren
Dauer: ca 20-40 min
Autor(en): Michal MikešJan SoukalAdam Špan?l
Verlag: boardcubator

Project L

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