
Love Letter gilt inzwischen als absoluter Klassiker und ist einer der Protagonisten der Gattung Microgame. Wir hatten das Spiel wegen seines kompakten Formats im Urlaubsgepäck dabei. Und das war keineswegs ein Fehler.
„Love Letter – 2nd Edition“ ist die überarbeitete klassische Ausgabe für 2–6 Spieler und erstmals 2019 erschienen. Uns liegt ein Exemplar der Neuauflage von 2025 vor.
Material
Alle Spielmaterialien befinden sich in einem edlen Samtbeutel. Allerdings haben wir nicht viel: Es gibt 21 Spielkarten und eine Handvoll Gunststeine zum Zählen der gewonnen Partien.
Love Letter – 2nd Edition enthält gegenüber der ursprünglichen 16-Karten-Version zwei neue Charaktere:
- Spionin – Wert 0 (bringt ggfs. einen Gunststein
- Kanzler – Wert 6 (Tausch zwei Karten unter den Nachziehstapel
Dafür wurden die bisherigen Werte angepasst: Da der Kanzler den Wert 6 hat, bekommt der König die 7, die Gräfin eine 8 und die Prinzessin ist 9 Punkte wert. Außerdem gibt es eine zusätzliche Wächterin, sodass insgesamt fünf neue Karten hinzukommen.
Wir haben es also mit insgesamt 21 Karten zu tun. Zusätzlich gibt es eine Spielübersicht für jeden Spieler.

Spielprinzip
Das Genre der Microgames geht auf den japanischen Autoren Seiji Kanai zurück, der Spiele entwickeln wollte, die mit sehr wenig Material auskommen, um die Produktionskosten niedrig zu halten, es aber dennoch ermöglichte, ein anspruchsvolles Spiel zu präsentieren.
Love Letter erfüllt diese Vorgabe nicht nur vom Material her, sondern auch vom Spielprinzip her perfekt. Die einfache Regel lautet: „Ziehe eine Karte, dann spiele eine Karte aus.
Genau dieses einfache Spielprinzip macht Love Letter zu einem sehr kurzweiligen Spiel. In jeder Runde müssen wir abwägen, ob wir ind Risiko gehen und einen anderen Spieler angreifen, z.B. indem wir den Baron spielen und Kartenwerte vergleichen. Der unterlegene Spieler scheidet dann sofort aus der laufenden Partie aus. Ähnlich geht das mit den Wächterinnen, indem wir eine Karte, die ein Mitspieler auf der Hand hält, korrekt benennen. Der Clou ist: Je besser ein Spieler sich den Verlauf merkt, desto genauer kann er eingrenzen, welche Karten die anderen Spieler haben könnten. Wir haben also Risiko- Push-Your-Luck und Deduktions – Elemente im Spiel. Die geringe Materialmenge bedeutet also nicht automatisch geringe Spieltiefe.
Einige Beispiele aus der Praxis belegen dies: Wer die Kombination Baron (Vergleichen Punktwerte mit Gegner) und Prinzessin (darf nicht gespielt oder abgelegt werden) auf die Hand zieht, kann einen Mitspieler sofort aus dem Spiel werfen. Danach wird es aber heikel, insbesondere wenn man die Prinzessin in einer sehr frühen Phase des Spiels gezogen hat. Hier kann eigentlich nur der Kanzler (Ziehe zwei Karten, lege dann zwei Karten unter den Stapel) oder König (Tausche Karte mit Gegener) helfen, um die Prinzessin unauffällig wieder loszuwerden.
Oder: Wenn bereits drei Wächterinnen (Errate Karte des Gegners, um ihn rauszuwerfen) offen ausgespielt wurden und bestimmte Karten wie der Priester (Schaue Karte des Gegners an) oder Zofe (eine Runde nicht angreifbar) bereits sichtbar waren, verändert das die Wahrscheinlichkeit dessen, was der Gegner auf der Hand hält.
Love Letter Varianten
Der Erfolg dieses Spiels hat dazu geführt, dass es inzwischen etliche thematisch Erweiterungen gibt, von denen einige ie die „Wedding Edition“, eine Weihnachtsedition oder gar ein K-Pop Thema.
Es gibt aber auch Weiterentwicklungen, wie etwas Munchkin Loot Letter, Der Hobbit, Kampf um den Arkenstein, eine Star Wars Variante oder auch Lovecraft Letter, welches wir als eine der besten Abwandlungen ansehen, da es die Cthulhu Elemente sehr gut integriert.
Auch die klassische Edition gibt es inzwischen in unterschiedlichen Versionen. Wer beispielsweise bis zu 8 Spieler am Tisch hat, kann auf die Love Letter Big Box zurückgreifen, in der weitere Rollen zur Verfügung stehen.
Fazit
Love Letter – 2nd Edition ist ein außergewöhnlich elegantes Microgame: Mit gerade einmal 21 Charakterkarten entsteht ein vollständiges Spiel aus Deduktion, Bluff, Risiko und Handmanagement. Jede Runde ist schnell gespielt, aber die wenigen Karten erzeugen erstaunlich viele Entscheidungen, weil man ständig abwägen muss, was die Mitspieler vermutlich auf der Hand halten und wie viel Risiko man eingehen will.
Besonders gelungen ist die Kompaktheit des Designs: Eine Karte ziehen, eine ausspielen – mehr braucht es grundsätzlich nicht. Die Spionin und der Kanzler erweitern das ursprüngliche 16-Karten-Prinzip in der 2nd Edition gerade genug, um das Spiel auf 2–6 Spieler auszudehnen, ohne seine Eleganz zu verlieren.
Das Besondere an Love Letter: Es zeigt exemplarisch, wie viel Spieltiefe man aus sehr wenigen Komponenten herausholen kann. Klein in der Schachtel, schnell zu lernen, aber überraschend gehaltvoll am Spieltisch – genau das macht es zu einem Klassiker des modernen Microgame-Designs mit sehr hohem Wiederspielreiz. Im Urlaub haben wir es täglich mehrmals gespielt.
Erscheinungsjahr: 2019
Autor: Seiji Kanai
Illustration: Andrew Bosley, Samuel R. Shimota
Verlag: Asmodee
Spieler: 2 – 6
Dauer: 15 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2012
