
Saltfjord ist ein strategisches Euro-Brettspiel für 1–4 Spieler, das in einem norwegischen Fischerdorf des späten 19. Jahrhunderts spielt. Wir sind norwegische Vorsteher eines Dorfes und fördern das Wachstum durch Fischfang, Bau von Gebäuden, Handel und technologische Entwicklung
Inhalt
Spielmaterial
Wie von Huch und Hutter gewohnt, finden wir eine üppige Spielebox mit hochwertigem Material vor. Alle Materialen bestehen aus Holz oder Pappe, wobei die meisten Holz – Komponenten auch wiedererkennbare Formen haben, wie etwa die Fischerboote und die Entwicklungs – Marker.
Wir benötigen einen nicht zu kleinen Tisch, denn neben dem großflächigen Haupt – Spielplan haben die Spieler je einen Gebäudeplan für die Kern Mechanik und einen Lageplan zum Verwalten der eigenen Ressourcen vor sich liegen.
Ergänzt wird das Ganze mit je 12 orangen und weißen Würfeln und jeder Menge Plättchen, die unterschiedliche Funktionen übernehmen. Die meisten davon fungieren als Gebäude, die Funktions – Verbesserungen in der Entwicklung bringen. Karten gibt es in Saltfjord nicht.

Spielmechanik
Saltfjord ist ein Würfeleinsatzspiel mit einem Mechanismus, den wir bereits aus Santa Maria kennen: In drei Runden wählen wir Würfel aus einer vorher zufällig zusammengestellten Auswahl und nutzen sie zum Aktivieren von Gebäuden und Aktionen auf unserem persönlichen Spielplan. Dabei wickeln wir jeweils eine ganze Reihe oder Spalte ab, je nachdem, welche Würfelfarbe wir gewählt haben. Von der Farbe Orange stehen dabei in den ersten Runden weniger Exemplare zur Auswahl, die dann aber von Runde zu Runde anwachsen.
Die einzelnen Aktionen ermöglichen es uns, unser Fjord-Leben zu entwickeln. Durch Fischen erhalten wir Siegpunkte und Rohstoffe. Dabei bewegen wir ein kleines Fischerboot über den Fjord, das wir mit unserem Fang beladen können.
Durch das Bauen neuer Gebäude können wir unseren Ertrag und unsere Möglichkeiten auf dem eigenen Spielplan erweitern. Große Gebäude kosten ein Holz und eine Planke, was relativ teuer ist. Daher ist das Bauen großer Gebäude eine eigene Hauptaktion, während kleine Gebäude über den Würfeleinsatz gebaut werden können.
Fortschritt auf Technologieleisten hilft uns, von allem etwas mehr zu generieren, also mehr Ertrag beim Fischen, bessere persönliche Fähigkeiten, mehr Hilfsarbeiter usw. Wer die oberste Leiste eines Fortschritts erreicht, erhält eine Wertungskarte für das Spielende.
Die Erfüllung von Handels – Aufträgen bringt uns am Rundenende und insbesondere zum Spielende hin Siegpunkte. Die benötigten Ressourcen erhalten wir aus unserem Lager, das uns als freie Aktion ermöglicht, fehlende Ressourcen durch geschickten Tausch zu erhalten.
Wertung
Nach 3 Runden, in denen jede Menge Aktionen gespielt wurden, endet das Spiel und es kommt zur finalen Schlusswertung. Wer seine Spielengine auf diese Wertung ausgelegt hat, kann jetzt einiges an Punkten generieren.
Im Detail erhalten wir folgende Punkte:
- Technologieleiste, je nachdem wie weit man gekommen ist
- Fischfang im Verhältnis 3 zu 1: Wir lösen noch aktive Boote ein und tauschen alle vorhandenen anderen Ressourcen gegen Fisch ein, soweit möglich.
- Auftragsplättchen: für je 4 erfüllte aufträge unterschiedlicher Art, danach noch die Anzahl der Punkte auf den Rückseiten aller Auftragsplättchen,
Fortgeschrittenes Spiel und Solo-Spielmodus
Nach einigen Spielrunden bietet es sich an, die “Wagen” ins Spiel zu nehmen. Die Wagen werden aktiviert, bevor ein Würfel ausgelöst wird und können zusätzliche Aktionen generieren, blockieren aber auch das Feld, auf dem sie stehen, für die Würfel.
Saltfjord lässt sich gut im Solo-Modus spielen. Der Ablauf bleibt weitgehend gleich, man spielt also nicht gegen einen Automa, sondern zielt auf das Erreichen einer möglichst hohen Punktzahl ab. Einige Mechaniken sind daher automatisiert und ein wenig zufälliger als im Spiel mit mehreren.

Vergleich zu Santa Maria
Saltfjord basiert direkt auf dem Spielprinzip von Santa Maria. Es ist im Kern eine Weiterentwicklung bzw. Neuinterpretation des 2017 erschienenen Spiels Santa Maria; aber es wurde mechanisch erweitert, thematisch überarbeitet und modularer aufgebaut
Beide Spiele verwenden ein Mechanismus-System, bei dem Würfel zum Auswählen und Aktivieren von Aktionen genutzt werden. In beiden Spielen aktiviert ein gewählter Würfel eine Reihe oder Spalte auf einem persönlichen Spieler-Tableau. Darauf befinden sich Gebäude oder Aktionsplätze, die durch die Würfelwahl ausgelöst werden und so Ressourcen, Aktionen oder Boni generieren. Diese Würfelwahl beeinflusst, welche Aktionen ein Spieler in seinem Gebiet ausführen kann und stellt damit einen zentralen strategischen Baustein dar – bei Saltfjord wurde dieser Mechanismus aus Santa Maria übernommen und deutlich überarbeitet.
Fazit
Saltfjord ist definitiv das bessere Santa Maria, da es viel mehr Optionen bietet, ohne ein flüssiges Spielgefühl zu verhindern. Der zugrunde liegende Würfel Drafting-Mechanismus wird durch sinnvolle weitere Elemente ergänzt und erzeugt so eine strategische Tiefe, die ohne übermäßige Komplexität auskommt.
Auch thematisch sagt uns Saltfjord zu, auch wenn das Szenario der stimmungsvollen Darstellung eines Fischerdorfes nicht neu ist. Insbesondere das Aussenden der Fischerboote in den Fjord hat uns besonders gut gefallen. Aber auch alle anderen Mechaniken sind gut miteinander abgestimmt und lassen viel Raum für variable Spielverläufe.
Das Regelwerk und der Aufbau am Anfang ist etwas aufwendiger, jedoch ist alles in der Anleitung gut erklärt. Durch die hohe Variabilität kann es manchmal zu Analysis Paralysis kommen, aber alle Spieler sind eigentlich durchgehend mit der Planung ihres nächsten Zuges beschäftigt, so dass dies nicht ins Gewicht fällt. Hier kommt auch der „Wegschnapp“ – Mechanismus zum Tragen, so dass man umplanen muss, wenn ein anderer Spieler einen Wunsch Würfel vor der Nase wegschnappt. Wir empfanden das als sehr unterhaltsam und können Saltfjord uneingeschränkt weiterempfehlen.
Erscheinungsjahr: 2025
Spieler: 1–4
Dauer: 45–90 Minuten
Alter: Verlagsempfehlung: ab. 14 Jahren, aber gut schon ab 12 spielbar
Verlag Huch!
Autoren: Kristian Amundsen Østby, Eilif Svensson
Grafik: Peter Bartels, Yan Moussu
