
Verräter an Bord ist ein Partyspiel mit geheimer Identität für drei bis acht Personen. Thematisch geht es um eine Piratencrew, die versucht, eine Schatztruhe zu füllen, während sich unter ihnen Meuterer befinden, die genau das sabotieren wollen.
Alle Spieler sind entweder Piraten oder Meuterer, ohne dass ihre Rolle offenliegt. Über verdeckt gespielte Karten, offene Diskussionen und gezielte Aktionen versuchen beide Seiten, ihr jeweiliges Ziel zu erreichen. Das Spiel lebt dabei stark von Bluff, Lügen und dem Interpretieren von Aussagen und Verhalten der Mitspieler.
Inhalt
Material
Der Materialumfang ist überschaubar, aber klar auf soziale Interaktion und schnelle Partien ausgelegt. Enthalten sind Rollenkarten für Piraten und Meuterer, sowie Beutekarten, die in die Schatztruhe gespielt werden. Diese bestehen aus Karten mit positiven Werten, neutralen Karten sowie negativen Karten, die den Fortschritt der Truhe sabotieren. Ergänzt werden sie durch mehrere Typen von Aktionskarten, darunter Karten zum Manipulieren der Truhe, zum Erzwingen von Kartenabwürfen oder zum gezielten Informationsgewinn.
Zusätzlich gibt es Planke-Karten. Erhält ein Spieler insgesamt drei Planke-Karten, wird er über Bord geworfen, deckt seine Rolle auf und scheidet aktiv aus dem Spiel aus, bleibt aber weiterhin Teil der Diskussion.
Das Material ist funktional gestaltet, klar lesbar und unterstützt das Bluff- und Diskussionsspiel gut.
Spielablauf
Zu Beginn erhält jeder Spieler verdeckt eine Rollenkarte. Alle erfahren so, ob sie Pirat oder Meuterer sind. Die Rollenverteilung richtet sich nach der Spielerzahl. Ab sechs Spielern sind zwei Meuterer im Spiel, bei weniger Spielern nur einer.
Anschließend erhält jeder Spieler drei Handkarten aus einem gemischten Stapel aus Beute- und Aktionskarten. Der Rest bildet den Nachziehstapel. Zusätzlich werden die Schatztruhe und ein Ablagestapel vorbereitet. Ein Startspieler wird zufällig bestimmt.
In seinem Zug führt ein Spieler genau eine Aktion aus. Entweder legt er eine Beutekarte verdeckt in die Schatztruhe oder er spielt eine Aktionskarte offen aus. Legt er eine Beutekarte, muss er deren Wert ansagen. Dabei darf er lügen. Aktionskarten dürfen nicht in die Truhe gelegt werden. Nach der Aktion zieht der Spieler eine Karte nach und hält wieder drei Karten auf der Hand. Danach ist der nächste Spieler im Uhrzeigersinn an der Reihe.

Aktionskarten erlauben gezielte Eingriffe. Karten können aus der Truhe entfernt oder neu angeordnet werden. Spieler können gezwungen werden, ihre Handkarten abzuwerfen. Planke-Karten können verteilt werden und erhöhen den Druck auf einzelne Spieler.
Erhält ein Spieler drei Planke-Karten, wird er über Bord geworfen. Er deckt seine Rollenkarte auf und scheidet aus dem aktiven Spiel aus. Er darf weiterhin mitdiskutieren und sein Team beraten.
Das Spiel endet sofort, wenn eine Siegbedingung erfüllt wird. Die Piraten gewinnen, wenn die Schatztruhe den erforderlichen Zielwert erreicht oder alle Meuterer über Bord geworfen wurden. Die Meuterer gewinnen, wenn sie zahlenmäßig nicht mehr in der Unterzahl sind oder der Nachziehstapel aufgebraucht ist. Zusätzlich kann ein Pirat jederzeit seine Rolle aufdecken und versuchen, das Spiel durch Überprüfen der Truhe zu beenden.
Fazit
Verräter an Bord bietet eine kurze und insgesamt sehr angenehme Spielzeit. In der Regel bleibt man deutlich unter 30 Minuten. In größeren Gruppen und mit besonders diskussionsfreudigen Mitspielern kann eine Partie aber auch spürbar länger dauern.
Die Altersangabe passt grundsätzlich. Mitspieler um die zehn Jahre können gut teilnehmen, das eigentliche taktische Spiel entfaltet sich jedoch eher mit älteren Spielern. In unseren Runden mit Kindern war das Spiel oft von Chaos geprägt, wurde aber trotzdem sehr positiv aufgenommen. Gerade das Verteilen der Planken und über Board werfen sorgt bei jüngeren Spielern für viel Spaß und Beteiligung.
Die Spielereliminierung ist hier akzeptabel, solange die Runden nicht zu lange dauern. Ausgeschiedene Spieler bleiben zudem weiter in die Diskussion eingebunden, was den Frust gering hält.

Am besten spielt sich Verräter an Bord aus meiner Sicht mit sechs bis acht Personen. Ab dieser Spielerzahl sind zwei Meuterer im Spiel, was die Dynamik deutlich spannender macht und mehr Unsicherheit erzeugt.
Der Vergleich zu Werwölfe und The Resistance liegt nahe. Verräter an Bord positioniert sich klar in diesem Umfeld, bringt aber einen wichtigen Unterschied mit. Die Aktionskarten erlauben es tatsächlich, Informationen zu gewinnen und die Situation aktiv zu beeinflussen. Deduktion hat damit zumindest eine gewisse Grundlage und basiert nicht ausschließlich auf Gespräch, Bauchgefühl und Lügen, auch wenn Bluff weiterhin eine zentrale Rolle spielt.
Spielerisch ist das alles kein radikal neuer Ansatz. Verräter an Bord erfindet das Genre nicht neu, kombiniert bekannte Elemente aber zu einem runden, zugänglichen Gesamtpaket. Das Piratenthema unterstützt das Spielgefühl gut und lädt zum Rollenspiel und zu überzeichneten Anschuldigungen ein.
Unterm Strich ist Verräter an Bord ein spaßiger Zeitvertreib für größere Gruppen, die Lust auf Diskussion, Bluff und ein wenig Chaos haben, ohne sich auf ein besonders komplexes Regelwerk einlassen zu wollen.
Name: Verräter an Bord (Traitors Aboard)
Erscheinungsjahr: 2024
Verlag: HUCH! / SAVANA
Autor: Jean-Xia Chou
Illustration: Laura Bazzoni
Spielzeit: ca. 10–30 Minuten
Spieler: 3–8
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
