
Boss Fighters QR ist ein kooperatives Kampagnen-Boss-Battler für zwei bis vier Personen. Der zentrale Punkt vorweg: Das Spiel funktioniert nur mit App. Die App ist kein optionales Hilfsmittel, sondern steuert den gesamten Bosskampf, wertet Karten aus, löst Effekte aus und gibt den Spielrhythmus vor. Ohne Smartphone oder Tablet ist Boss Fighters QR nicht spielbar.
Inhaltlich treten die Spieler als Heldengruppe gegen eine Reihe von zehn einzigartigen Bossen an. Jeder Boss bringt eigene Fähigkeiten, Angriffsmuster und Regeln mit. Die Kampagne ist progressiv aufgebaut.
Inhalt
Material
Der Materialumfang ist umfangreich und stark auf die Kampagne ausgelegt. Enthalten sind vier Heldenboxen mit jeweils einem Heldendeck sowie vier Klassendecks. Jeder Spieler kombiniert einen Helden mit einer Klasse und erhält dadurch ein individuelles Startdeck aus Aktionskarten sowie eine Helden- und eine Klassenkarte.
Hinzu kommen mehrere verschlossene Boxen mit Beutekarten in verschiedenen Stufen, die erst im Verlauf der Kampagne geöffnet werden dürfen. Zusätzlich gibt es zahlreiche Statusmarker wie Gift-, Panik-, Lähmungs- und Feuermarken sowie verschiedene Gegenstandsplättchen, die im Spielverlauf freigeschaltet werden.

Zentrales physisches Element sind die Lebenspunktezähler für jeden Helden. Diese werden bewusst nicht über die App verwaltet, sondern manuell am Tisch eingestellt. Ergänzt wird das Material durch Übersichtskarten für den Rundenablauf und Regelkarten als Gedächtnisstütze.
Die App ist faktisch ein weiterer Spielbestandteil. Über sie werden Bosse ausgewählt, Angriffe geplant, Karten gescannt, Effekte ausgelöst und der Spielfortschritt gespeichert. Karten und Gegenstände besitzen QR-Codes, die während des Spiels regelmäßig gescannt werden.
Spielablauf
Boss Fighters QR wird als Kampagne gespielt. Jeder Bosskampf besteht aus mehreren Runden und endet, sobald entweder die Lebenspunkte des Bosses auf null gesenkt wurden oder ein Held keine Lebenspunkte mehr besitzt. In letzterem Fall verlieren alle Spieler gemeinsam.
Zu Beginn wählen die Spieler ihre Helden- und Klassendecks. Die Aktionskarten beider Decks werden gemischt und bilden das persönliche Nachziehdeck. Die Start-Lebenspunkte ergeben sich aus der Kombination von Held und Klasse. Danach wird die App gestartet, die die Sitzplätze der Spieler sowie die gewählten Helden und Klassen per QR-Code erkennt.

Jede Runde folgt einem festen Ablauf aus sieben Phasen. Zunächst plant der Boss seine Angriffe, was die App automatisch übernimmt. Dabei werden bereits die Angriffswerte angezeigt, die in der späteren Angriffsphase Schaden verursachen würden. Anschließend erhält der Boss je nach Phase Schilde, die bestimmte Angriffsarten blockieren.
In der Aktionsphase sind die Spieler reihum am Zug. Jeder Spieler führt mehrere Aktionen aus und spielt dabei Karten aus seiner Hand. Angriffe, Verstärkungen, Schutz, Heilung, Kartenziehen und Spezialeffekte greifen ineinander. Die Karten werden über die Kamera des Geräts gescannt, die App erkennt sie und setzt ihre Effekte regelkonform um. Kommunikation ist ausdrücklich erlaubt und notwendig, da viele Effekte voneinander abhängen.
In der Angriffsphase führt der Boss seine vorbereiteten Attacken aus, sofern diese nicht zuvor auf null reduziert wurden. Danach folgen Status-, Abwurf- und Nachziehphase, in denen laufende Effekte abgehandelt, Karten abgelegt und neue Karten gezogen werden.
Mit jedem besiegten Boss kommen neue Regeln, Karten und Gegenstände hinzu. Die Komplexität steigt schrittweise, bleibt aber durch die App gut geführt. Der Spielfortschritt wird automatisch gespeichert, sodass die Kampagne jederzeit unterbrochen und später fortgesetzt werden kann.
Fazit
Boss Fighters QR spielte sich bei uns meist in etwa 30 bis 40 Minuten, vor allem mit zwei bis drei Personen. Zu viert dauert eine Partie etwas länger, bleibt aber im Rahmen. Die Altersangabe ab 10 Jahren passt gut, auch weil die App viele Abläufe klar strukturiert vorgibt.
Die App-Integration hat uns positiv überrascht. Das Scannen der QR-Codes funktionierte schnell und zuverlässig, deutlich besser als zunächst erwartet. Da die Karten lediglich vor die Kamera gehalten werden und nicht umgedreht oder abgelegt werden müssen, hat man den Ablauf sehr schnell verinnerlicht. Nach wenigen Zügen läuft das Scannen ganz selbstverständlich nebenher.
Spielerisch konzentriert sich Boss Fighters QR konsequent auf das, was sonst oft der Höhepunkt eines Dungeon Crawlers ist: die Bosskämpfe. Erkundung und Zwischengefechte werden komplett ausgeblendet. Stattdessen steht das Erlernen der Bossmechaniken im Mittelpunkt. Jeder Boss spielt sich anders, verlangt ein Umdenken und zwingt die Gruppe, gezielt zusammenzuarbeiten. Zufälliges Ausspielen von Karten führt hier nicht zum Erfolg.
Gerade dieses Lernen macht den Reiz aus. Niederlagen fühlen sich selten unfair an, sondern laden zu einem neuen Versuch ein, weil man verstanden hat, was schiefgelaufen ist. Der variable Schwierigkeitsgrad mit vier Stufen erlaubt es zudem, das Spiel gut an unterschiedliche Gruppen anzupassen.
Der Kampagnenfortschritt mit dem Freischalten neuer Karten und Inhalte ist motivierend. Gleichzeitig bleibt das Ganze ein sogenanntes Legacy Light. Alle freigeschalteten Elemente lassen sich problemlos zurücksetzen, nichts wird dauerhaft verändert oder zerstört. Besonders spannend ist dabei die Möglichkeit, Inhalte über die App zu erweitern. So wurde etwa zeitlich begrenzt der zusätzliche Boss Grummelbart im Winter Event integriert.
Unterm Strich ist Boss Fighters QR ein kooperatives Spiel, das stark von seiner App-Unterstützung lebt und diese sinnvoll nutzt. Wer App-gestützten Spielen offen gegenübersteht, bekommt hier einen spannenden, belohnenden Boss-Battler auf Familienniveau, den wir klar empfehlen können.
Name: Boss Fighters QR
Erscheinungsjahr: 2025
Designer: Michael Palm, Lukas Zach
Illustration: Artur Fast, Maximilian Jasionowski, Bart?omiej Kordowski, Timo Mimus
Verlag: Pegasus Spiele
Spielzeit: ca. 40–60 Minuten
Spieler: 2–4
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
